Männergesangverein Vogelbach-Malsburg e.V.


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1947-1970

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1947-1970

Im Sommer 1947 wurde der Verein durch ehemalige aktive Sänger und jüngere Gesangsfreunde erneut zum Leben erweckt.
Am 06. Juli 1947 traf man sich im "Maien" in Vogelbach, um den Verein wieder aus der Taufe zu heben. Ein besonderes Gedenken wurde den gefallenen und vermißten Sangeskameraden zuteil.
Bedingung für eine Vereinsgründung war damals, daß keiner der Vorstandsmitglieder durch eine einstmalige Zugehörigkeit zur NSDAP belastet war, so verfügte es der französische Militärgouverneur. Ernst Jurd wurde, wie schon 1935, zum Vereinsvorstand gewählt. Als Beitrag wurde für alle Mitglieder der Betrag von 4,-- Mark jährlich beschlossen. Adolf Meinzer, Hauptlehrer in Kaltenbach, wurde Dirigent und schon im Juli 1947 konnten die wöchentlichen Singstunden wieder aufgenommen werden. Ende 1947 hatte der Verein 25 aktive Sänger.
Am 25. Dezember 1947 ist der Verein nach über 7-jähriger Pause wieder öffentlich aufgetreten. Während eines Gottesdienstes in Vogelbach wurden einige Lieder vorgetragen. Am 03. Dezember 1947 wurde die Eintragung des Vereins als Gesangverein Malsburg-Vogelbach durch den zuständigen französischen Militärgouverneur in Müllheim amtlich bestätigt.
Bei den ersten Proben im Jahr 1947 mußte noch um das vereinseigene Harmonium herumgestanden werden, weil es keine Sitzgelegenheiten gab. Da dies auf Dauer zu beschwerlich war, hat sich schließlich jeder Sänger selbst einen Holzklappstuhl gekauft und fortan konnte auch bequemer geprobt und gesungen werden. Dem Vernehmen nach sollen einige dieser Stühle heute noch in der Gemeinde Verwendung finden.
Am 17. Februar 1948 ehrte der Verein seinen langjährigen Vorstand Eugen Wagner, der schwergezeichnet aus russischer Gefangenschaft heimgekehrt war. Eugen Wagner wurde zum Ehrenmitglied ernannt.
Zur ersten Generalversammlung nach dem Kriege mußten sich die Vereinsmitglieder etwas einfallen lassen, bekam man doch fürs Geld nichts. Jedenfalls nichts was Leib und Magen stärken konnte. Kurzerhand haben vier Sänger gehandelt: Ernst Jurd, Eugen Asal, Ernst Oßwald und Kurt Schleith.
Jeder der vier Sänger hat 2 Ster Holz gemacht, die wurden dann nach Bamlach gefahren und dort gegen ein Faß Wein eingetauscht. Gustav Brombacher, der über ein Motorrad verfügte, versprach die Versammlung mit Heringen zu versorgen. Der Vereinswirt im "Maien" in Vogelbach stellte das Lokal zur Verfügung. Die Maienwirtin hatte frisches Brot gebacken. Sogar Vogelbacher Mädchen waren anwesend, die die Heringe putzen sollten. Jedoch kam Gustav Brombacher erst nach der Versammlung mit den Heringen, so daß man die zwischenzeitlich heimgegangenen "Küchenhilfen" wieder zurückholen mußte. Jetzt stand einem würdigen Ausklang der Versammlung nichts mehr im Wege.
Das Vereinsleben nahm langsam wieder gewohnte Gestalt an. Zur Wahl des neuen Bürgermeisters Fritz Breh jun. wurde am 19. Dezember 1948 im Gasthaus "Kranz" in Malsburg gesungen.
Immer noch kehrten Kriegsgefangene zurück, so die Sangeskameraden Fritz Homberger-Reif und Hermann Mäder im Frühjahr 1948.
Am 20. Februar 1949 feierte der Verein im Gasthaus "Kranz" sein 25-jähriges Bestehen, an dem die ehemaligen Dirigenten Michael Diehm aus Pforzheim und Karl Schilling aus Kandern als Ehrengäste teilnahmen.
Am 18. und 25. Juni 1950 sang der Verein zur Einführung der drei neuen Kirchenglocken und der Glockenweihe in Kaltenbach. Die alten Kaltenbacher Glocken mußten im Krieg zur Einschmelzung abgeliefert werden, damit kriegswichtige Güter hergestellt werden konnten. Zur Aushilfe wurde seinerzeit eine kleine Glocke der Vogelbacher Kirche nach Kaltenbach geschafft. Diese kehrte danach wieder nach Vogelbach zurück.
Die Glocken wurden bis ans Ortsende Lütschenbach mit einem motorisierten Zug gebracht. Ab dort wurde ein Pferdegespann vorgespannt und der festlich geschmückte Zug machte sich weiter auf den Weg nach Kaltenbach. Dort wurden die Glocken unter großer Beteiligung in den Glockenturm montiert.
Schon 1951 unternahm der Verein seinen ersten Ausflug in die Schweiz. Neben einem Besuch von Küßnacht und dem Vierwaldstättersee, wurde bei bester Laune und Stimmung auch Fluelen besucht. Für alle Beteiligte war das ein Stück Rückkehr in die Normalität nach dem Krieg und für manche ein unvergessener erster Ausflug ins Ausland.
Längere Zeit mußte der Chor auf seinen erfolgreichen, aber ernsthaft erkrankten Dirigenten Meinzer verzichten.
Sein Vertreter, Hauptlehrer Kern aus Weil am Rhein, vermittelte schließlich noch im gleichen Jahr den ersten gemeinsamen Auftritt mit einem Streichorchester.
Am 08.03.1953 veranstaltete der Chor wieder unter Leitung von Dirigent Meinzer ein anspruchsvolles Schubert-Konzert im Hirschensaal. Dabei wurden u.a. die Werke "Zur Ehre Gottes", "Wanderers Nachtlied" (Solist Ernst Asal), "Der Lindenbaum" (Solist Max Ruch), "Nächtliches Ständchen" und "Wohin" mit der Solistin Erika Oßwald (Kronenwirtstochter aus Kaltenbach) vorgetragen. Dem Abend war großer Erfolg beschieden.
1954, am 19. März, besuchte der Chor erstmalig gemeinsam eine Oper. Zu "Fidelio" fuhr man nach Freiburg, um sich die nötige Inspiration für die weitere Gesangsarbeit zu holen.
Im Jahr 1955 besuchte man den ehemaligen Dirigenten Lehmann in Gutach im Schwarzwald und verband den Jahresausflug damit. 80 Sänger und Gemeindemitglieder waren mit dabei.
Am 25. August 1958 wurden in der Kirche in Vogelbach die ersten Rundfunkaufnahmen mit dem Chor nach dem Krieg aufgezeichnet. Die Rundfunkleute waren vom Vortrag begeistert: "Mein Heimatdorf, wie bist du schön" und "Ich höre Glocken läuten". Wo und wann die Aufzeichnung zur Ausstrahlung kam, ist nicht überliefert.
Im Jahr 1956 legte Vereinsvorstand Wagner aus gesundheitlichen Gründen sein Amt nieder. Da sich aber kein Sänger zur Übernahme des Amtes bereit fand, ließ er sich nochmals in die Pflicht nehmen. Er wurde am 2. März 1957 bei der Generalversammlung erneut zum Vorstand gewählt.
Bei dieser Versammlung wurde wieder die Gründung eines gemischten Chores beantragt. Der Antrag wurde mehrheitlich angenommen, aber nicht weiter verfolgt.
Burkhard Benischke, ein aktiver Sänger, wanderte im gleichen Jahr nach Kanada aus. Der Chor sang ihm zum Abschied ein Ständchen.
Einen Ausflug in die ausländische Literatur (Viva bella Italia) überzeugte die Kritiker nicht. Aufgeführt beim 125-jährigen Jubiläum des GV Kandern, war das Lied kein Erfolg, wie der Chronist säuerlich anmerkte.
Am Wertungssingen am 11. Mai 1958 in Müllheim erreichte man mit "Lob der Musik" einen beachtlichen Erfolg. Bei diesem Auftritt wurde der Chor durch einige Frauenstimmen verstärkt.
Eugen Wagner legte den Vorsitz zu Beginn des Jahres 1959 endgültig nieder und Adolf Asal wurde am 17. Januar 1959 zum Vorstand gewählt.
Aus Mangel an geeigneten Laienschauspielern wird 1959 erstmals im Rahmen der Weihnachtsfeier kein Theaterstück aufgeführt. Dafür veranstaltet der Verein ein Wunschkonzert. An alle Haushalte in der Gemeinde wird eine Wunschliste mit 40 Liedern zur Auswahl verteilt. Daraus wurden schließlich 33 Lieder ausgewählt, die am 06. Februar 1960 im "Hirschensaal" aufgeführt wurden. Ein großer Erfolg.
Nachdem Adolf Asal nicht mehr kandidiert, wird in schwieriger Abstimmung Richard Bürgelin bei der Generalversammlung am 27.02.1960 zum Vorstand gewählt. Ein weiteres Novum: Es wird "Beitragsbefreiung" für die aktiven Sänger beschlossen. Diese gilt aber nur solange, wie die Kasse "nicht erschöpft" ist. Auf Wunsch des ehemaligen Sängers Burkhard Benischke, nimmt der Chor ein von ihm gespendetes Lied auf Tonband auf und schickt es ihm nach Kanada.
Erstmalig findet keine Weihnachtsfeier statt. Stattdessen bestreitet man am 4.Dezember 1960 ein Kirchenkonzert.
Im Juni des Jahres 1961 verstarb Gustav Brombacher, der erste Vorstand des Vereins.
Nur einmal gab der Verein seine Unparteilichkeit auf, am 29. Juli 1961, als man "zur Verstärkung der Zuhörerschaft" in den "Maien" nach Vogelbach zog, wo Arbeitsminister a.D. Hollwegler bei einer Parteiveranstaltung auftrat.
Am 30. Juni 1963 konnte man gemeinsam mit Dirigent Meinzer dessen 25-jähriges Dirigentenjubiläum (Dirigent des Männergesangvereins und des Kaltenbacher Gemischten Chores) und gleichzeitig seine 40-jährige aktive Mitgliedschaft im Deutschen Sängerbund feiern.
Nach seinem 65. Geburtstag, wurde er am 21.3.1964, auch als Vogelbacher Lehrer aus dem Schuldienst verabschiedet.
Bei der Generalversammlung im März 1964 wurde beschlossen, die Singstunde einmal im Monat im Gasthaus "Kranz", Malsburg abzuhalten. Bis dahin wurde regelmäßig in der Schule in Vogelbach geprobt.
Ende 1964 trat Richard Bürgelin aus gesundheitlichen Gründen als Vorstand des Vereins zurück. Bei der Neuwahl am 27.Februar 1965 wurde Friedrich Schweinlin zum neuen Vorsitzenden gewählt.
Mit Richard Bürgelin trat ein Mann zurück, der den Verein mit seiner ruhigen und großzügigen Art über Jahre unterstützt hat. Manch einem Sänger werden die Fahrten im Viehanhänger, mit dem sie von ihm zu Auftritten übers Land transportiert wurden, unvergessen bleiben.
Mit einem Bratwurstessen im Gasthaus "Kranz" in Malsburg bedankte sich Dirigent Meinzer bei seinen Sängern, die ihm zu seinem 70. Geburtstag in Kandern ein Ständchen brachten. Ob eine Bratwurst ausreichte und ob es auch Getränke gab, ist jedoch nicht überliefert.
Am 26. Oktober 1969 wurde Bürgermeister Breh zum dritten Mal in seinem Amt bestätigt. Anlaß genug um dem Neugewählten ein Ständchen vor seiner Haustür zu bringen. Ein "unbegrenzter Freitrunk" im "Kranz" schloß sich an das Ständchen an.
Im Jahr 1969 stießen endlich wieder einige junge Sänger zum Verein.



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